Andalusien.info
Carmona

Carmona

Carmona liegt 30 Kilometer von Sevilla entfernt auf einem Kalksteinrücken in 235 Metern Höhe. Die Stadt zeigt zwei römische Stadttore, einen Alcázar karthagischen Ursprungs, den Parador im Burgberg und die römische Nekropole mit mehreren hundert Grabkammern – ein Tagesausflug mit viel Geschichte.

Carmona liegt östlich von Sevilla auf dem letzten bedeutenden Höhenzug der Alcores und überblickt die weite Vega des Río Corbones. Der Ort war seit der Vorgeschichte besiedelt, wurde römisch, maurisch und später königliche Residenz, und fast jede Epoche hat Bauten hinterlassen. Wer die Altstadt betritt, geht durch ein Stadttor, das teilweise auf karthagischen und römischen Mauern steht.

Diese Seite führt dich durch die Geschichte, die Tore und Kirchen, die Nekropole und die Feste und sagt, wie du hinkommst. Die Angaben stammen von der Stadtverwaltung und vom Conjunto Arqueológico de Carmona der Junta de Andalucía.

ProvinzSevilla, 30 km östlich der Hauptstadt
Lageauf den Alcores in 235 m Höhe, über der Vega des Río Corbones
WahrzeichenPuerta de Sevilla mit Alcázar, Römische Nekropole
NekropoleGräber aus dem 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr.
Stadtrechtseit 1630 „Ciudad“ unter Felipe IV.
FiestasSemana Santa mit acht Bruderschaften, Feria seit 1466
Empfohlene Dauerein halber bis ganzer Tag

Welche Geschichte hat Carmona?

Die Stadt ist nach Angaben der Gemeinde seit dem Neolithikum besiedelt, im Umland liegen reiche vorgeschichtliche Fundstätten. Aus einem turdetanischen Kern entwickelte sich eine bedeutende karthagische Kolonie, von deren Mauern an der Puerta de Sevilla noch Reste stehen. Der Name geht auf die semitische Wurzel KAR für „Stadt“ zurück, die Römer nannten den Ort Carmo, die Araber Qarmuna.

Im Jahr 206 v. Chr. eroberte Rom Carmona. Die Stadt wurde stark romanisiert, durfte Münzen prägen und erhielt einen mächtigen Mauerring, den Julius Caesar in seinem Bürgerkriegsbericht erwähnt. Der Stadtplan folgt bis heute dem antiken Raster; am deutlichsten erkennt man den Cardo Maximus, der von der Puerta de Sevilla zur Puerta de Córdoba führte. Die Stadtverwaltung nennt die Via Augusta, die an Carmona vorbeiführte und im Mittelalter „El Arrecife“ hieß; Reste und eine römische Brücke sind erhalten.

Im 11. Jahrhundert wurde Carmona Hauptstadt eines der ersten Taifa-Reiche. 1247 ergab sie sich Ferdinand III. dem Heiligen, der sie neu besiedelte und mit einem eigenen Stadtrecht versah; sein Sohn Alfons X. legte die Gemarkung fest. Pedro I. der Grausame, der oft hier wohnte, erweiterte den Alcázar de la Puerta de Marchena zur königlichen Residenz. 1630 verlieh Felipe IV. der Stadt den Titel „Ciudad“. Das Wappen trägt die Inschrift „Sicut Lucifer lucet in aurora, ita in Vandalia Carmona“, die Ferdinand III. beim Anblick der Stadt zugeschrieben wird: Wie der Morgenstern in der Dämmerung strahlt, so Carmona in Andalusien.

Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in der Altstadt?

Die zwei Haupttore des Mauerrings, die Puerta de Sevilla und die Puerta de Córdoba, sind römischen Ursprungs. Der Alcázar de la Puerta de Sevilla geht auf die Karthager zurück und steht am leichtesten zugänglichen Eingang der Stadt; dort sitzt heute auch das Touristenbüro im Torbogen. Die Stadt nennt Hof- und Saalräume in diesem Komplex, darunter den Patio de los Aljibes, in dem im Herbst und Frühjahr und in Sommernächten Konzerte und Lesungen stattfinden. Vom Torre del Oro aus siehst du über die weißen Dächer.

Auf dem höchsten Punkt steht der Alcázar de Arriba oder de la Puerta de Marchena. Seine Struktur ist almohadisch, später baute ihn Pedro I. aus, dann folgten die Katholischen Könige und weitere Umbauten ab dem 17. Jahrhundert. In einer Ecke der Plaza de Armas wurde der Parador Alcázar del Rey Don Pedro in mudejarer Tradition errichtet; er wirkt von weitem wie ein Teil der alten Festung.

Unter den Kirchen sind die Prioral de Santa María und San Pedro besonders zu nennen. Santa María ist ein gotisches Beispiel mit zahlreichen Kapellen und Goldschmiedekunst; im Patio de los Naranjos ist auf einem Säulenschaft ein westgotischer liturgischer Kalender eingraviert. San Pedro wurde so stark umgebaut, dass sie barock wirkt. San Felipe stammt aus dem 14. Jahrhundert, ist mudejar und hat eine schöne Decke, eine Fliesenverkleidung aus dem 16. Jahrhundert und einen Hauptaltar des 18. Jahrhunderts. Dazu kommen die Klöster Santa Clara und Concepción, das Hospital de la Caridad mit mudejarem Kapitelsaal und die Jesuitenkirche El Salvador aus dem Barock des 17. Jahrhunderts.

Zur Zivilarchitektur zählt die Plaza de San Fernando mit Häusern ab dem 16. Jahrhundert, darunter ein Mudéjar-Haus mit Fliesen, und dem ehemaligen Rathaus. Das Museo de la Ciudad ist in einem mudejaren Haus untergebracht. Klassizistisch sind die frühere Cilla del Cabildo von 1790 und die Plaza de Abastos von 1842. Wenn du wenig Zeit hast, gehst du von der Puerta de Sevilla durch die Hauptstraße bis zur Plaza de San Fernando, hinauf zum Alcázar de Arriba und zum Parador und kehrst über die Kirchen zurück.

Was ist die römische Nekropole von Carmona?

Die Nekropole gilt der Stadt als das bedeutendste römische Monument des Ortes, „einzigartig in seiner Art“. Sie ist Teil des Conjunto Arqueológico de Carmona der Junta de Andalucía und besteht aus mehreren hundert in den Fels der Alcores gegrabenen Grabkammern, in denen fast ausschließlich eingeäschert wurde: In den Wänden gibt es zahlreiche Nischen für die Urnen. In manchen Gräbern sind Reste von Wandmalerei auf dem Stuck erhalten. Genutzt wurde die Anlage vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr.

Entdeckt wurde sie 1868 und 1869 zufällig bei Planierungsarbeiten am Camino del Quemadero. Danach plünderten Laien und Grundbesitzer sie systematisch und verkauften Funde an Sammler. 1881 begannen Juan Fernández López und Jorge Bonsor mit dem Ankauf der Grundstücke und einem wissenschaftlichen Projekt; 1885 entstanden die Sociedad Arqueológica de Carmona, das Museum der Nekropole und ein Rundweg für Besucher. 1930 wurde die Nekropole an den Staat übergeben, später wurde das Amphitheater ausgegraben.

Die Junta beschreibt einige Räume mit Maßen und Datierung. Die Tumba del Elefante stammt aus dem 1. Jahrhundert n. Chr., hat einen Hof von 12 mal 11 Metern und gilt als Grab-Heiligtum. Die Tumba de Servilia, aus der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts, hat einen Patio von 24 mal 17,26 Metern. Das Mausoleo Circular misst außen 11,70 Meter im Durchmesser und hat eine Grabkammer von 3,23 mal 1,72 Metern. Weitere benannte Gräber sind die Tumba de Postumio, die Tumba de las Guirnaldas, die Tumba de las Cuatro Columnas und die Tumba de los Cuatro Departamentos. Das Amphitheater stammt aus dem 1. Jahrhundert v. Chr.; seine Arena misst 58,80 mal 39 Meter, der Zugangsgang ist 36,20 Meter lang.

Wie besucht man die Nekropole und was ist verboten?

Der Zugang ist individuell und ohne Reservierung möglich, wenn du innerhalb der Öffnungszeiten kommst; die Zeiten wechseln mit der Saison und stehen auf der Seite des Conjunto Arqueológico. In den Standardzeiten ist von Dienstag bis Samstag zwischen 9 und 18 Uhr geöffnet, sonn- und feiertags von 9 bis 15 Uhr, im Sommer gelten kürzere oder längere Zeiten. Die Räume werden 30 Minuten vor Schließung geräumt. Gruppen brauchen eine Reservierung, wenn die Besucherzahl sie nicht ohnehin zulässt.

Die Junta nennt Regeln: Gräber und Strukturen nicht berühren und die markierten Wege nicht verlassen; private Fotos sind erlaubt, aber ohne Blitz, Selfie-Stick oder Stativ; Essen und Trinken sind nur in den vorgesehenen Zonen erlaubt. Große Taschen, Rucksäcke, Kinderwagen und Sportgeräte gehören in die Garderobe, Tiere sind nicht erlaubt – ausgenommen Assistenzhunde. Kinder unter 14 Jahren müssen von Erwachsenen begleitet werden.

Die Anfahrt ist unkompliziert: Vom Busbahnhof Prado de San Sebastián in Carmona geht eine Linie nach Sevilla, und der nächste öffentliche Parkplatz an der Nekropole liegt am Paseo del Estatuto. Für die Nekropole und die Altstadt zusammen planst du einen Tag. Wer Carmona mit einer Tour verbinden will, schaut sich Itálica bei Sevilla an, die römische Stadt nahe Sevilla – ein Gegenstück zur Nekropole. Mit dem Mietwagen sind beide Ziele in einem Tag verbunden.

Welche Feste und Gerichte prägen Carmona?

Die Semana Santa ist das wichtigste Fest. Acht Bruderschaften ziehen vom Palmsonntag bis Karfreitag durch enge Gassen und unter der Puerta de Sevilla hindurch, die Stadt nennt die Umzüge eine Mischung aus Strenge, Hingabe und Schönheit. Mehr zur Karwoche findest du auf der Seite Semana Santa. Die Feria geht auf das Jahr 1466 zurück, als Heinrich IV. von Kastilien der Stadt das Recht auf einen jährlichen Viehmarkt gab, und hat große Festzelte, in denen viele Frauen Flamenco-Kleider tragen. Der Karneval wurde 1984 wieder eingeführt, nachdem das Franco-Regime ihn untersagt hatte, und führt zum Wettbewerb der Karnevalsgruppen der Provinz. Hinzu kommen Fronleichnam mit der Monstranz von Francisco de Alfaro (1579–84) und die Wallfahrt zur Ermita de la Virgen de Gracia, einen Kilometer vor der Stadt.

Die Küche setzt auf Gemüse aus der Vega. Die Gemeinde nennt Alboronías, Spinat, Tomatensuppe, Wildspargel mit Ei, Cocido mit Tagarninas, den Potaje de Chícharos und die knusprige „Tostá“ mit Schmalz. Bei den Süßspeisen ist der arabische Einfluss zu spüren, ebenso die lange Klostertradition: Torta inglesa, Ölgebäck, Reispudding, in Süßwein und Honig getauchte Torrijas, Mandeltorten und Kastanien mit Zimt. Carmona gehört zur Ruta Bética Romana, zur Artealia-Route der vier Monumentalstädte Osuna, Écija, Marchena und Carmona, und zur Washington-Irving-Route.

Passend dazu: Naturpark Sierra Norte de Sevilla.

Wie weit ist Carmona von Sevilla?

Etwa 30 Kilometer. Die Stadtverwaltung nennt diese Entfernung; es gibt eine Buslinie Carmona–Sevilla.

Lohnt Carmona als Tagesausflug?

Ja. Die Altstadt mit den römischen Toren, dem Alcázar und den Kirchen und die Nekropole füllen zusammen einen Tag.

Ist die Nekropole nur nach Reservierung zugänglich?

Nein. Einzelbesucher kommen innerhalb der Öffnungszeiten ohne Reservierung, Gruppen reservieren.

Darf ich in der Nekropole fotografieren?

Ja, zu privaten Zwecken, aber ohne Blitz, Selfie-Stick und Stativ.

Mehr Städte in Andalusien

Von Sevilla bis Ronda: die wichtigsten Städte im Überblick.

Zu den Städten