Die Kathedrale von Sevilla ist die größte gotische Kirche der Welt und beherbergt das Grab von Christoph Kolumbus. Ihr Glockenturm, die Giralda, war einst das Minarett der maurischen Moschee und bietet nach einem Aufstieg über Rampen einen grandiosen Blick über die Stadt. Gemeinsam mit Alcázar und Archiv gehört sie zum UNESCO-Welterbe.
„Bauen wir eine Kirche so groß, dass man uns für verrückt hält“ – so sollen es die Baumeister im 15. Jahrhundert beschlossen haben. Herausgekommen ist die Catedral de Santa María de la Sede, ein gewaltiger gotischer Bau an der Stelle der einstigen Hauptmoschee Sevillas. Wer sie betritt, steht in einem der größten Kirchenräume der Christenheit – überwältigend in Höhe, Weite und Reichtum, ein steinernes Denkmal des Goldenen Zeitalters, in dem Sevilla Tor zur Neuen Welt war.
| Ort | Sevilla, Andalusien |
|---|---|
| Bauzeit | 1401–1519 (auf dem Grund der Almohaden-Moschee) |
| Stil | Gotik; Giralda maurisch-almohadisch |
| Superlativ | größte gotische Kathedrale der Welt |
| Highlights | Hauptaltar, Kolumbus-Grab, Giralda-Turm |
| Status | UNESCO-Welterbe seit 1987 |
| Besuchsdauer | 1,5 bis 2 Stunden inkl. Turm |
Was kann man in der Kathedrale sehen?
Der unbestrittene Höhepunkt im Inneren ist der Hauptaltar (Retablo Mayor) – ein vergoldetes Schnitzwerk aus über tausend Figuren, das als eines der größten Altarbilder der Welt gilt und Jahrzehnte in Arbeit war. Daneben beeindruckt das Grab von Christoph Kolumbus, dessen Sarkophag von vier bronzenen Königsgestalten getragen wird, welche die einstigen Königreiche Kastilien, León, Aragón und Navarra verkörpern. In den Seitenkapellen hängen Werke großer spanischer Maler wie Murillo und Zurbarán, und die Schatzkammer birgt kostbare Gold- und Silberarbeiten sowie Reliquien.
Welche Kapellen und Schätze lohnen sich?
Die Kathedrale gleicht einem Museum. In der Sala Capitular, dem ovalen Kapitelsaal, hängt eine berühmte Immaculata von Murillo unter einer kunstvollen Kuppel. Die Sacristía Mayor beeindruckt mit einer prächtigen Renaissance-Kuppel und der Monstranz von Juan de Arfe, einem Meisterwerk der Silberschmiedekunst, das bei Prozessionen durch die Stadt getragen wird. In der Capilla Real ruht der heilige König Ferdinand III., der Sevilla 1248 zurückeroberte. Rund um das Hauptschiff reihen sich Dutzende weiterer Kapellen, jede mit eigenem Altar und eigener Geschichte – man könnte Stunden allein mit ihnen verbringen.
Was hat es mit der Giralda auf sich?
Die Giralda ist das Wahrzeichen Sevillas. Der 96 Meter hohe Turm war ursprünglich das Minarett der maurischen Moschee aus dem 12. Jahrhundert; nach der Reconquista setzte man ihm einen Renaissance-Glockenaufsatz mit der Wetterfahne „Giraldillo“ auf. Das Besondere: Statt Treppen führen 35 sanft ansteigende Rampen nach oben – gebaut, damit ein Reiter zu Pferd hinaufreiten konnte, um den Muezzin abzulösen. Oben belohnt ein Rundumblick über die Dächer der Altstadt bis zum Guadalquivir. Die Backsteinfassade mit ihren feinen Rautenmustern (sebka) gilt als Meisterwerk almohadischer Baukunst und ist eng verwandt mit Türmen in Marrakesch und Rabat.
Was war hier vor der Kathedrale?
Bevor die gotische Kathedrale entstand, stand an dieser Stelle die Große Moschee der Almohaden. Nach der christlichen Eroberung wurde sie zunächst als Kirche genutzt, doch ein Erdbeben und der Ehrgeiz der Domherren führten 1401 zum Beschluss, sie durch einen Neubau von beispielloser Größe zu ersetzen. Vom maurischen Vorgänger blieben zwei Zeugen erhalten: das Minarett, das zur Giralda wurde, und der Orangenhof (Patio de los Naranjos), in dem sich die Gläubigen einst rituell wuschen. So trägt auch dieser christliche Riesenbau das maurische Erbe Andalusiens in sich.
Wie viel Zeit sollte man einplanen?
Für Kathedrale und Giralda solltest du eineinhalb bis zwei Stunden einrechnen. Der Aufstieg auf den Turm ist dank der Rampen auch für weniger Sportliche gut machbar, kann aber an heißen Tagen anstrengend sein. Direkt anschließend lohnt sich ein Bummel durch das benachbarte Viertel Santa Cruz, das alte jüdische Viertel mit engen Gassen und blumengeschmückten Innenhöfen, oder ein Besuch im Real Alcázar nebenan. Beide Sehenswürdigkeiten lassen sich mit der Kathedrale zu einem vollen Sevilla-Tag verbinden.
Wie bekomme ich Tickets?
Tickets gibt es online und vor Ort; der Eintritt schließt den Aufstieg auf die Giralda ein. Ein Kombiticket verbindet die Kathedrale mit der Kirche El Salvador. Am ruhigsten ist es am frühen Morgen oder am späten Nachmittag. Wer möchte, bucht eine geführte Dachtour (Cubiertas), die über die Gewölbe der Kathedrale führt – ein besonderer Blick hinter die Kulissen des Riesenbaus, der nur mit Voranmeldung möglich ist. An bestimmten Tagen ist der Eintritt kostenlos, dann jedoch stark frequentiert.
Wie komme ich zur Kathedrale?
Die Kathedrale steht im Herzen der Altstadt an der Avenida de la Constitución, gut erreichbar mit der Straßenbahn, zu Fuß oder per Taxi vom Bahnhof Santa Justa. Sevilla erreichst du bequem mit dem AVE-Schnellzug (von Madrid in rund 2,5 Stunden) oder über den nahen Flughafen; Details findest du unter Reiseplanung. Wer eine Rundreise macht, verbindet Sevilla oft mit Córdoba und Granada.
Wusstest du das über die Kathedrale?
Der Giraldillo, die drehbare Bronzefigur auf der Spitze der Giralda, ist über drei Meter hoch und gilt als eine der größten Renaissance-Statuen ihrer Art. Und obwohl Kolumbus an mehreren Orten begraben gewesen sein soll, bestätigten DNA-Analysen, dass zumindest ein Teil seiner Gebeine tatsächlich hier in Sevilla ruht – ein passender Ort, denn von hier aus wurde die Entdeckung und Verwaltung Amerikas gesteuert.
Wann ist die beste Reisezeit für einen Besuch?
Wie ganz Andalusien zeigt sich Sevilla im Frühling und Herbst von seiner schönsten Seite. Im April und Mai ist die Stadt mild und die Orangenbäume duften, im Hochsommer dagegen klettern die Temperaturen oft über 40 Grad – dann ist ein früher Besuch am Morgen ratsam. Der gewaltige Innenraum der Kathedrale bleibt selbst an heißen Tagen angenehm kühl und ist damit ein guter Programmpunkt für die drückenden Mittagsstunden. Wer die Giralda besteigen möchte, sollte die Hitze meiden und den Aufstieg auf den Morgen oder den späten Nachmittag legen. Mehr dazu unter beste Reisezeit.
Welche Feste erlebt man rund um die Kathedrale?
Die Kathedrale steht im Zentrum der berühmten Semana Santa, der Karwoche, wenn zahlreiche Bruderschaften ihre kunstvoll geschmückten Prozessionsbilder (pasos) durch die Straßen und zur Kathedrale tragen. Höhepunkt ist die Nacht der „Madrugá“, in der die verehrtesten Figuren wie die Virgen de la Macarena unterwegs sind und die ganze Stadt auf den Beinen ist. Zu Fronleichnam schmücken die Sevillaner die Gassen rund um die Kathedrale mit Blumen und Kräutern. Wer diese Feste und die lebendige Kultur Andalusiens erleben möchte, sollte Unterkunft und Tickets früh buchen, denn zu diesen Terminen ist Sevilla ausgebucht.
Was gibt es in der Umgebung der Kathedrale zu sehen?
Die Kathedrale bildet mit dem Real Alcázar und dem historischen Archivo de Indias, in dem die Akten des spanischen Kolonialreichs lagern, ein UNESCO-Ensemble auf engstem Raum. Gleich dahinter beginnt das malerische Viertel Santa Cruz, ein Labyrinth aus Gassen, Innenhöfen und Tapas-Bars. Nur wenige Gehminuten entfernt liegt der Torre del Oro am Ufer des Guadalquivir, von wo Ausflugsboote ablegen. Wer mehr Zeit hat, überquert den Fluss ins lebendige Viertel Triana, die Wiege der Keramikkunst und des Flamenco, oder bummelt zur nahen Plaza Nueva mit dem Rathaus. So lässt sich der Besuch der Kathedrale mühelos zu einem vollen Tag durch die Altstadt Sevillas ausbauen – Anregungen dazu findest du im Städte-Guide Sevilla.
Ist die Giralda im Kathedralen-Ticket enthalten?
Ja, der Aufstieg auf die Giralda ist normalerweise im regulären Eintritt der Kathedrale enthalten.
Muss man Treppen steigen?
Nein, die Giralda besteht aus 35 sanften Rampen statt Treppen – ganz oben führen nur wenige Stufen zur Glockenstube.
Wo liegt Kolumbus wirklich begraben?
Sein Grabmal steht in der Kathedrale von Sevilla. DNA-Untersuchungen bestätigen, dass hier tatsächlich Gebeine von Christoph Kolumbus ruhen.
Kann man Kathedrale und Alcázar an einem Tag sehen?
Ja, beide liegen nur wenige Schritte auseinander. Mit Zeitfenster-Tickets lässt sich der Besuch gut an einem halben bis ganzen Tag verbinden.
Ist der Aufstieg auf die Giralda für Kinder geeignet?
Grundsätzlich ja. Weil der Turm über sanfte Rampen statt steiler Treppen erschlossen ist, bewältigen auch Kinder und weniger sportliche Besucher den Aufstieg gut. Nur die letzten Stufen zur Glockenstube sind etwas steiler. An heißen Tagen solltest du Wasser mitnehmen, da es im Turm warm werden kann.
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