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Casa de Pilatos (Sevilla)

Casa de Pilatos (Sevilla)

Die Casa de Pilatos in Sevilla ist ein Stadtpalast aus dem 15. und 16. Jahrhundert, seit 1931 Nationaldenkmal und ein Hauptwerk des mudejar-renaissancezeitlichen Stils. Er gehörte den Enríquez de Ribera und gehört heute der Stiftung der Herzöge von Medinaceli. Man erreicht ihn zu Fuß in rund zehn Minuten vom Alcázar und der Kathedrale.

Wer vom Real Alcázar und der Kathedrale ins Barrio de Santa Cruz geht, kommt der Casa de Pilatos schon nahe, ohne es zu merken: Sie liegt am Rand der mittelalterlichen Judería an einem eigenen kleinen Platz, der Plaza de Pilatos. Hinter der Fassade verbirgt sich ein Palast, der gotische, islamische, Renaissance- und romantische Elemente in einem einzigen Haus zusammenführt.

Auf dieser Seite erfährst du, wer den Palast gebaut hat, warum er „Haus des Pilatus“ heißt, was in Patio, Sälen und Gärten zu sehen ist, welche Filme hier gedreht wurden und wie du den Besuch planst. Die Angaben stammen von der Stiftung, die den Palast betreibt, und vom städtischen Fremdenverkehrsamt.

Offizieller NamePalacio de los Adelantados Mayores de Andalucía
Bauzeitim Kern 15. und 16. Jahrhundert, Umbauten bis ins 19. Jahrhundert
StatusMonumento Nacional seit 1931
BauherrenEnríquez de Ribera, vom I. Marqués de Tarifa bis zum III. Herzog von Alcalá
Eigentümer heuteFundación Casa Ducal de Medinaceli
LagePlaza de Pilatos, Sevilla; rund 10 Minuten zu Fuß von Alcázar und Kathedrale

Was ist die Casa de Pilatos, und warum heißt sie so?

Die Casa de Pilatos ist ein Adelspalast mitten in der Altstadt und gilt der Stiftung als Prototyp des sevillanischen Stadtpalastes. Sie verbindet die gotisch-mudejare Tradition des späten Mittelalters mit den Neuerungen der Renaissance. Möglich wurde das durch die engen Beziehungen ihrer Bauherren, der Familie Enríquez de Ribera, nach Italien. Im 19. Jahrhundert, als Sevilla unter den Montpensier zur zweiten Residenzstadt wurde, kamen Umbauten im romantischen Geschmack hinzu.

Zum Namen gibt es eine Überlieferung: Der Bußgang, der vom Palast zum Kreuz Cruz del Campo führte, soll dieselbe Länge gehabt haben wie der Weg des Pontius Pilatus nach Golgatha. Das Haus habe damit dem Sevillaner Kreuzweg seinen Namen und Ursprung gegeben. Die Stiftung ordnet das in die Lebensgeschichte des I. Marqués de Tarifa ein: Fadrique Enríquez de Ribera unternahm 1518 bis 1520 eine Pilgerreise nach Jerusalem. Er schrieb später, er sei am 4. August 1519 in Jerusalem eingezogen, und ließ das auf seiner Fassade festhalten. Nach seiner Rückkehr führte er in Sevilla einen Kreuzweg ein, der an den Weg in Jerusalem erinnerte; er gilt traditionell als Keim der Prozessionen der Semana Santa.

Im Palast tragen deshalb mehrere Räume Namen, die mit der Passion zu tun haben, etwa Salón del Pretorio, Gabinete de Pilatos oder Salón de Descanso de los Jueces. Die Stiftung erklärt das damit, dass die Räume solche Namen erhielten, als man den Palast mit dem Haus des Pilatus gleichsetzte.

Wer hat die Casa de Pilatos gebaut, und wie entstand sie?

Die Anlage entstand in drei Phasen: einem mittelalterlichen Palast Ende des 15. Jahrhunderts, einer Erweiterung im Stil der Renaissance in den 1520er- und 1530er-Jahren und einem neuen Palast um 1570, der an den alten grenzt und dessen Garten umschließt. Danach wuchs der Bau nicht mehr, wurde aber bis ins 20. Jahrhundert umgestaltet.

Den Kern errichteten die Adelantados Mayores von Andalusien, Pedro Enríquez und Catalina de Ribera. Sie erwarben 1483 eine Gruppe von Häusern aus dem Besitz der Krone, die aus beschlagnahmtem Eigentum des soeben geschaffenen Inquisitionstribunals stammten. Besonders wertvoll war ein Recht, das nur wenige Häuser der Stadt hatten: ein direkter Anschluss an das Wasser der Caños de Carmona, das einen bepflanzten Garten erlaubte. Die Bauarbeiten dauerten von 1483 bis höchstens 1505, dem Todesjahr von Catalina de Ribera; vermutlich war der Palast schon 1496 fertig. Aus dieser Zeit stammen die Holzdecken und die Architektur der Räume am Patio – laut Stiftung von einem Maßstab und einem Luxus, der Reisende der Zeit überraschte und heute nur mit dem Königspalast des Alcázar vergleichbar ist.

Ihr Sohn Fadrique Enríquez de Ribera, der I. Marqués de Tarifa (1476–1539), brachte von seiner Reise durch Italien neue Formen der Renaissance mit. In den 1530er-Jahren ließ er die Wände mit Fliesen verkleiden. Sein Neffe, der I. Herzog von Alcalá (1509–1571), war Vizekönig von Katalonien und Neapel und sammelte antike Skulpturen. Um 1568 holte er den Architekten Bernuto Tortello aus Neapel nach Sevilla, der einen neuen Palast neben dem alten baute, um die Sammlung im modernen Sinn mit der Architektur zu verbinden. Der III. Herzog von Alcalá (1583–1637) war Humanist und Kunstsammler, in seiner Sammlung stach José de Ribera hervor. Der Maler und Theoretiker Francisco Pacheco, bei dem Velázquez und Alonso Cano in die Lehre gingen, nennt die Stiftung unter den Beteiligten. Der VIII. Herzog von Medinaceli war der erste Herzog von Medinaceli, der die Casa de Pilatos besaß; im 19. Jahrhundert ließ die XV. Herzogin im Geschmack der Romantik restaurieren.

Was sieht man im Patio und in den Sälen?

Patio principal: Die Stiftung nennt ihn eine Synthese der Baugeschichte. Die unregelmäßige Anordnung der Bögen sowie Fliesen und Stuck sind hispano-muslimisch, die Balustrade der oberen Galerie ist gotisches Maßwerk. Die Maße des Hofes, die Marmorsäulen, der in Genua gefertigte Brunnen und die Sammlung von Kaiserbüsten, die in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts aus Italien kamen, sind Renaissance.

Capilla de la Flagelación: das älteste Zimmer des Palastes, ganz mit Stuck verkleidet und von zwei Rippengewölben überspannt, deren Rippen von Engeln mit Passionssymbolen getragen werden; sie gilt der Stiftung als Beispiel für das Verschmelzen christlicher und muslimischer Formensprache im Mudéjar. Das Portal der Kapelle zeigt feinen Stuck in isabellinischer Gotik und trägt noch die bemalten Originaltüren mit dem Wappen von Enríquez und Sotomayor.

Salón de Descanso de los Jueces (Antecapilla): der größte Raum des Palastes aus dem späten 15. Jahrhundert. Seine Wände sind mit den Fliesen verkleidet, die der I. Marqués de Tarifa zwischen 1536 und 1538 bei den Brüdern Polido bestellte, Töpfern aus Triana. Salón del Pretorio: erhält alle Originalteile – Stuck, Fliesen und Mudéjar-Tischlerarbeit an Türen und Fenstern – und eine Kassettendecke, die moderner wirkt als die übrigen, aber islamische Ornamente bewahrt. Sala Dorada: nach der Muqarnas-Decke benannt, im 16. Jahrhundert der intimste Teil des „Sommerhauses“ des I. Marqués. Gabinete de Pilatos: zugleich zum Hof und zum früheren Garten geöffnet, mit einer Holzdecke aus zehnzackigen Sternen, die das Himmelsgewölbe darstellt – ein Erbe des Empfangssaals der hispano-muslimischen Architektur.

Caballerizas: Der Raum war ursprünglich das Raritätenkabinett des I. Marqués und wurde vom I. Herzog zum Antiquarium umgebaut, im 19. Jahrhundert diente er als Stall – daher der heutige Name. Die Fliesen stammen aus Triana; mehr zur Töpfertradition des Viertels steht auf der Seite zu Triana.

Was gibt es in den Gärten zu sehen?

Der Palast hat zwei Gärten. Im Jardín Chico erinnert ein Teich mit einem jungen Bacchus aus Bronze von Mariano Benlliure an das Recht auf „agua de pie“, also einen direkten Anschluss an die Caños de Carmona, ein Aquädukt, dessen Reste noch in der Calle Luis Montoto zu sehen sind, ganz in der Nähe. Das Fremdenverkehrsamt von Sevilla beschreibt die Gärten als an den andalusischen Stil angelehnt und nennt neben den Gärten die glasierten Fliesen und die klassischen Skulpturen als Höhepunkte des Besuchs.

Der Wasseranschluss an die Caños de Carmona war laut Stiftung ein Monopol der Krone, das nur sehr wenige Grundstücke der Stadt als Gnade besaßen. Er machte den bepflanzten Garten in der Altstadt überhaupt erst möglich.

Welche Filme wurden in der Casa de Pilatos gedreht?

Die Stiftung führt eine Liste von Produktionen, die den Palast als Kulisse nutzten: „Lawrence von Arabien“ (1962), „Harem“ (1986), „1492 – Die Eroberung des Paradieses“ (1992), „Der Ritter Don Quijote“ (2002), „Königreich der Himmel“ (2005), „Knight and Day“ (2010), die Serie „La Peste“ (2017–2019), „The Crown“ (2022, fünfte Staffel) und eine Kampagne von Turismo de Andalucía unter dem Titel „Andalusian Crush“. Die Stiftung beschreibt die Rollen des Hauses so: Hauptquartier der britischen Armee in Jerusalem, Residenz eines Mafioso, Palast der Herzöge, die sich über Don Quijote lustig machen.

Das Fremdenverkehrsamt von Sevilla führt diese Dreharbeiten unter den Kuriositäten auf. Du erkennst manche Räume wieder, wenn du die Szenen kennst, aber der Palast ist keine Film-Attraktion, sondern ein genutztes Haus: Die Stiftung vermietet ihn auch für private Feiern und bietet private Besuche nach Schließung für kleine Gruppen an.

Wie plant man den Besuch der Casa de Pilatos?

Die Casa de Pilatos liegt etwa zehn Minuten zu Fuß vom Alcázar-Kathedralen-Kern und passt gut zu einem Rundgang durch das Barrio de Santa Cruz. Das Fremdenverkehrsamt unterscheidet zwei Besuchsarten: einen Teilbesuch mit Erdgeschoss und Gärten und einen vollständigen Rundgang, der auch das Obergeschoss mit den herrschaftlichen Räumen umfasst. Es empfiehlt Audioguide und einen Besuch am späten Vormittag oder zum Abend, wenn das Licht den Palast besonders schön macht. In der Hochsaison ist es sinnvoll, die Eintrittskarte online zu kaufen.

Preise und Öffnungszeiten ändern sich und stehen auf der Website der Stiftung (fundacionmedinaceli.org); prüfe sie vor dem Besuch. Als Teil eines Sevilla-Tages passt der Palast zu Real Alcázar und Kathedrale mit Giralda; die Stadt im Überblick findest du auf der Seite zu Sevilla.

Warum heißt die Casa de Pilatos so?

Nach einer Überlieferung entsprach der Weg der Bußprozession vom Palast zum Kreuz Cruz del Campo der Strecke des Pilatus nach Golgatha. Das Haus gab dem Sevillaner Kreuzweg Namen und Ursprung.

Ist die Casa de Pilatos ein Museum?

Sie ist ein Adelspalast in Privatbesitz der Stiftung der Herzöge von Medinaceli, der zur Besichtigung geöffnet ist und auch für Veranstaltungen vermietet wird.

Wer baute die Casa de Pilatos?

Pedro Enríquez und Catalina de Ribera legten ab 1483 den Kern an; ihr Sohn, der I. Marqués de Tarifa, und der I. Herzog von Alcalá erweiterten ihn im Stil der Renaissance.

Kann man die Casa de Pilatos mit anderen Sehenswürdigkeiten verbinden?

Ja. Sie liegt rund zehn Minuten zu Fuß vom Kern aus Alcázar und Kathedrale und am Rand des Barrio de Santa Cruz.

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