Das Barrio de Santa Cruz ist das ehemalige Judenviertel von Sevilla, direkt neben Kathedrale und Real Alcázar. Enge Gassen, weiße Häuser und Plätze mit Orangenbäumen prägen es. Sehenswert sind Callejón del Agua, Plaza de Doña Elvira, Hospital de los Venerables, Casa de Pilatos und die Jardines de Murillo; für einen Rundgang genügen drei bis vier Stunden.
Das Barrio de Santa Cruz gehört zu den meistbesuchten Vierteln Sevillas und liegt direkt an der Mauer des Real Alcázar. Es ist klein, aber dicht: Wer hier hineingeht, verliert die Himmelsrichtung, findet aber alle zwei Ecken einen Platz, einen Patio oder eine Kirche. Das Turismo Sevilla beschreibt es als Viertel, in dem man sich verlaufen soll, mit Resten von Synagogen, mittelalterlichen Kirchen und Legenden.
Diese Seite führt dich durch die Geschichte, die wichtigsten Orte, Besuchszeiten und die Verhaltensregeln, die Stadt und Anwohner für das Viertel vereinbart haben. Die großen Monumente in der Nachbarschaft, Kathedrale mit Giralda und Real Alcázar, haben eigene Seiten.
| Stadt | Sevilla, Altstadt an der Ostseite des Real Alcázar |
|---|---|
| Geschichte | mittelalterliche Judería, bis zur Vertreibung der Juden 1492 |
| Highlights | Callejón del Agua, Plaza de Doña Elvira, Plaza de los Refinadores, Hospital de los Venerables, Jardines de Murillo |
| Museen | Hospital de los Venerables (Centro Velázquez), Casa Fabiola, Casa de Pilatos |
| Dauer | 3 bis 4 Stunden zu Fuß, mit Museen ein halber Tag |
| Eintritt | Viertel und Plätze frei, Museen und Paläste gegen Eintritt |
Fragen, die diese Seite beantwortet
- Woher kommt das Barrio de Santa Cruz und was war hier früher?
- Welche Orte im Barrio de Santa Cruz sollte man gesehen haben?
- Was gibt es im Hospital de los Venerables zu sehen?
- Was sind die Jardines de Murillo, und lohnen sie einen Abstecher?
- Welche Museen und Paläste liegen in der Nähe?
- Wie verhält man sich im Barrio de Santa Cruz, und wann geht man am besten?
Woher kommt das Barrio de Santa Cruz und was war hier früher?
Im Mittelalter war das Viertel die Judería von Sevilla. Nach Angaben des Fremdenverkehrsamtes lebte hier eine der einflussreichsten sephardischen Gemeinden der Iberischen Halbinsel, bis die Juden 1492 vertrieben wurden. Der Name stammt von der Kirche Santa Cruz, die auf dem heutigen Platz stand und im 19. Jahrhundert abgerissen wurde. An ihrer Stelle entstand die Plaza de Santa Cruz mit einem schmiedeeisernen Kreuz auf einem Steinsockel.
Die Plaza de Doña Elvira entstand bei der Neugestaltung des Viertels zwischen 1911 und 1918 unter dem Stadtarchitekten Juan Talavera y Heredia; sie ist nur zu Fuß erreichbar, ihre abgewinkelten Zugänge lassen sie überraschend auftauchen.
Heute leben im Viertel Menschen, und gleichzeitig gilt es als stark besuchtes Gebiet. Deshalb haben Fremdenverkehrsamt, Tourismusbetriebe und Anwohner eine Vereinbarung über gute Praxis getroffen (siehe unten).
Welche Orte im Barrio de Santa Cruz sollte man gesehen haben?
Die wichtigsten Stationen für einen ersten Rundgang:
- Plaza de Santa Cruz: ruhiger Platz mit Orangenbäumen und Keramikbänken rund um das schmiedeeiserne Kreuz, an der Stelle der abgerissenen Kirche. Das Turismo Sevilla vermerkt, dass der Platz Dichter wie Gustavo Adolfo Bécquer inspiriert haben soll.
- Callejón del Agua: die Gasse, die das Turismo Sevilla als Beispiel für die Winkel des Viertels nennt, mit Blumen, Patios und alten Altarbildern.
- Calle Judería: eine schmale Gasse mit einem Gewölbegang, der unter den Mauern und Türmen des Real Alcázar hindurchführt. Über der Mauer verliefen früher die Wasserleitungen von den Caños de Carmona zu den Palastgärten; am Ende des Gewölbes steht ein kleiner Fliesenbrunnen. Wer den Gang durchquert, erreicht den Patio de Banderas.
- Plaza de Doña Elvira: ein quadratischer, nur für Fußgänger zugänglicher Platz mit Beeten, Bänken, Brunnen und Orangenbäumen. Im 17. Jahrhundert stand hier ein bekanntes Theater (corral de comedias). Der Name geht auf die Don-Juan-Legende zurück: Hier soll das Haus von Don Gonzalo de Ulloa, Vater der Doña Elvira, gestanden haben.
- Plaza de los Refinadores: Zugang vom Viertel zu den Gärten, mit dem Bronzedenkmal des Don Juan Tenorio. Auf Fliesen am Sockel stehen Verse aus Zorrillas Drama „Don Juan Tenorio“ von 1844.
- Santa María la Blanca: die Kirche war im 13. Jahrhundert eine Synagoge, wurde 1391 nach den Pogromen und Zwangsbekehrungen zur christlichen Kirche und Mitte des 17. Jahrhunderts neu gebaut. Innen beeindrucken Stuckaturen und Wandmalereien des frühen Barock, getragen von zehn toskanischen Marmorsäulen.
Was gibt es im Hospital de los Venerables zu sehen?
Das Hospital de los Venerables Sacerdotes entstand zwischen 1676 und 1697 als Unterkunft für mittellose, ältere Priester. Initiator war der Domherr Justino de Neve; an der Planung waren unter anderem Juan Domínguez und Leonardo de Figueroa beteiligt. Das Gebäude gilt als eines der besten Beispiele des andalusischen Barock. Nach seiner Restaurierung in den 1980er-Jahren wurde es zum Kulturzentrum für Barockkunst und die sevillanische Malerei des Goldenen Zeitalters.
Rundgang: Er beginnt im zweigeschossigen Arkadenhof mit Marmorsäulen, Mittelbrunnen und einer mit Fliesen verzierten Treppe, die ein elliptisches Gewölbe überspannt. Die einschiffige Kirche mit Tonnengewölbe trägt Fresken von Valdés Leal (Presbyterium) und Lucas Valdés (Kuppel und Schiff); ihre Pracht trägt ihr den Beinamen „Sixtinische Kapelle von Sevilla“ ein. In der Sakristei täuscht ein Scheingemälde „Triumph des heiligen Kreuzes“ mit Perspektive. Im Centro Velázquez hängen unter anderem „Santa Rufina“ und „Imposición de la casulla a San Ildefonso“ von Velázquez, daneben Werke von Herrera dem Älteren, Pacheco, Zurbarán und Murillo. Eine Metzler-Orgel von Gerhard Grenzing ist wegen ihrer Akustik geschätzt, im Sommer gibt es Orgelkonzerte.
Zeiten, Preise und Kombitickets stehen auf der Website von Visita Sevilla oder der Fundación Focus; sie ändern sich, deshalb prüfst du sie vor dem Besuch.
Was sind die Jardines de Murillo, und lohnen sie einen Abstecher?
Die Jardines de Murillo grenzen an das Viertel und die Alcázar-Mauer und waren früher Teil der Palastgärten. 1911 überließ König Alfons XIII. sie der Stadt, um Altstadt und Ronda zu verbinden. 1915 entwarf Juan Talavera y Heredia die Wege, Rondelle mit Keramikbänken und Brunnen im regionalistischen Stil; 1918 erhielten sie den Namen des Malers Bartolomé Esteban Murillo, der in einer nahen Kirche begraben ist.
Sehenswert sind das Denkmal für Christoph Kolumbus von 1921, das Denkmal für Catalina de Ribera, die Gründerin des Hospital de las Cinco Llagas, und Rondelle wie die für den Maler José García Ramos mit Fliesen seit 1923. Im Schatten von Orangenbäumen, Magnolien, Ficus und Judasbäumen eignen sich die Gärten für eine Pause. Sie sind im Winter von 8 bis 22 Uhr, im Sommer von 8 bis 24 Uhr geöffnet. Im Sommer meidest du die Mittagsstunden, denn trotz Schatten kann es heiß werden.
Welche Museen und Paläste liegen in der Nähe?
Casa de Pilatos: Der Palast der Familie Enríquez de Ribera aus dem 15. Jahrhundert gilt als bestes Beispiel für den mudejar-renaissancezeitlichen Stil Andalusiens, mit Innenhof, Fliesen in mehr als 150 Mustern, geschnitzten Holzdecken, Prunktreppe mit Holzkuppel und römischen Skulpturen. Der Name stammt aus der Tradition, dass der Weg der Bußprozession bis zum Cruz del Campo so lang gewesen sein soll wie Pilatus’ Weg nach Golgatha. Du kannst den Teilbesuch (Erdgeschoss und Gärten) oder den Gesamtrundgang mit Obergeschoss wählen; in der Hochsaison empfiehlt das Fremdenverkehrsamt, online zu kaufen.
Casa Fabiola: Das Museum in einem Palais des 19. Jahrhunderts zeigt die Sammlung von Mariano Bellver mit mehr als 500 Werken, vor allem sevillanische Sittenmalerei des 19. Jahrhunderts, dazu Skulpturen, Keramik, Uhren und Möbel. Es ist seit 2018 geöffnet und liegt nur wenige Schritte von der Judería entfernt. Das Haus gehörte der Familie der Schriftstellerin Fernán Caballero.
Ein weiteres Ziel im Umfeld ist das Archivo de Indias. Für den Alcázar, die Kathedrale und die Giralda planst du jeweils einen eigenen Besuch ein.
Wie verhält man sich im Barrio de Santa Cruz, und wann geht man am besten?
Das Viertel ist sehr stark besucht, und das Turismo Sevilla hat gemeinsam mit Tourismusbetrieben und Anwohnern ein Abkommen über gute Praxis veröffentlicht. Es nennt unter anderem: Gruppengrößen begrenzen, keine Hauseingänge, Läden oder Zugänge blockieren, Fußgänger durchlassen, Rundgänge außerhalb der Hauptzeiten und Ruhezeiten der Anwohner planen, Eintrittskarten vorab kaufen, Audioguides (Whisper-Systeme) statt lauter Erklärungen nutzen. Megafone sind nach städtischer Verordnung verboten und können mit Strafe belegt werden. Auch Singen, Schreien und Lärm sollen unterbleiben.
Für dich heißt das: Geh früh am Morgen oder am Abend, wenn die Gassen leerer sind, und kombiniere das Viertel mit dem Alcázar am Vormittag. Wenn du abends hineingehst, siehst du die schmiedeeisernen Laternen im Licht; das Turismo Sevilla empfiehlt genau das für heiße Sommertage. Triana auf der anderen Flussseite ergänzt den Tag mit Markt, Keramik und Calle Betis; die Stadt insgesamt findest du auf der Seite zu Sevilla.
Wie lange braucht man für das Barrio de Santa Cruz?
Für einen Rundgang ohne Eintritte genügen zwei bis drei Stunden. Mit Hospital de los Venerables und Casa de Pilatos kommt ein halber Tag zusammen.
Kostet das Barrio de Santa Cruz Eintritt?
Nein, das Viertel und seine Plätze sind frei zugänglich. Eintritt kosten die Museen und Paläste wie das Hospital de los Venerables, die Casa Fabiola und die Casa de Pilatos.
Warum heißt es Santa Cruz?
Der Name geht auf die mittelalterliche Pfarrkirche Santa Cruz zurück, die im 19. Jahrhundert abgerissen wurde. Auf dem Platz steht heute ein schmiedeeisernes Kreuz.
Was hat Don Juan mit dem Viertel zu tun?
Zorrillas Drama „Don Juan Tenorio“ von 1844 spielt zum Teil in der alten Judería. Ein Bronzedenkmal an der Plaza de los Refinadores und die Plaza de Doña Elvira erinnern daran.
Weitere Sehenswürdigkeiten in Sevilla
Von der Plaza de España bis zur Torre del Oro: Alle Ziele auf einen Blick.
